Lange Beine und gewichtige Oberkörper erleichtern es gemäß physischen Gesetzen mit einem Rennboot hohe Durchschnittgeschwindigkeiten zu erreichen. Natürlich braucht es auch Balance, Koordination und Schnellkraft, um in Sekundenbruchteilen die Blätter im Wasser zu verankern, sich an 288cm langen Stangen mit dem Boot vorbei zu ziehen und möglichst ohne „Patschen“ aufs Wasser wieder in die Auslage zu kommen, um das Boot erneut zu beschleunigen. Auf der Sprintdistanz über 350m passiert das im filigranen Skiff (1x) 40 bis 45 Mal pro Minute. Alle 1,5 Sekunden Setzen-Durchziehen-Ausheben-Anrollen. Ein enormer Kraftaufwand, um in weniger als 1,5min durchs Ziel zu gehen.
Nach Start bei der dt. Küstenrudermeisterschaft im 2x im Vorjahr, wagte sich Johanna Bilz (19) vom Kitzinger Ruderverein 2026 an den Sprint. „Da auch hier keine Leichtgewichtsrennen ausgeschrieben waren, musste sich Jojo mit ihren 55kg und grob 150 mit größeren und kräftigeren Athletinnen gemessen. Die ersten 200m sind ihre Stärke. Dass sie danach auf 1.000/2.000m nicht mit den „Schweren“ mitkommt, wissen wir. Wir wollten sehen, wie eng es auf der Sprintdistanz wird“, erklärt KRV-Coach Daniel Nagl.
Nach 5,5 Stunden Anfahrt verschlief Bilz im Vorlauf am Freitag erstmal die Startampel – genau wie drei ihrer vier Konkurrentinnen. „Die 1:28 haben uns also bei der Standortbestimmung nicht geholfen“, so Nagl. Bei weiterhin nasskaltem Gegenwind ging Bilz am Samstag motiviert in den Hoffnungslauf. Die erste Streckenhälfte lag sie – gewohnt – mit der Führenden gleichauf, konnte dann die Tempoforcierung der Schweren nicht mitgehen. 1:23min bedeuteten das B-Finale am Abend. „Anders als manche Abmelderin und Gekenterte hat sich Jojo bei widrigen Bedingungen durchgebissen. Wenn alles passt, sind bei ihr 1:20 drin. Das wäre im kleinen Finale eng geworden“, blickt Nagl zurück. Im von Flutlicht und Flammenwerfern aluminierten Abendrennen traf Bilz aber nach 100m – wie bereits in Waldsee – eine Streckenbegrenzungsboje, strauchelte – und hielt ihre Balance. Ihre Konkurrentinnen waren aber enteilt. Am Ende stand mit 1:27min Platz 9 aus ursprünglich 15 Meldungen. „Eine solide Leistung“, lobte Nagl.

